Josephine Martenstein

Archäologin, Zweiflerin

Ein roter Faden

Ich weiss wirklich nicht, ob jemand das hier liest. mein Name ist Josephine Martenstein. Ich habe einen Weg gefunden und ich gehe in jetzt bis zum Ende. 

Wenn das hier doch jemand liest und mir folgen sollte: Ich werde ein Zeichen da lassen.

Josephine

Eine Zahl

Habe mich seit Tagen nicht beim Institut gemeldet. Lasse das Handy jetzt aus. Im Wald ist es so schön ruhig. Ich kann nachdenken und beginne langsam zu begreifen. Bin ich mutig genug? Ich habe meine Tasche gepackt und ich werde diese Geschichte jetzt ausgraben, sonst habe ich keine Ruhe mehr. Das Tor öffnet sich aber nicht und Cornelius nennt mir immer nur eine Zahl. Was ist das für eine Zahl? Hier sind nur Bäume. 

Ok. Wenn es im Archiv auftaucht, dann bin ich nicht völlig verrückt geworden. Leider auch der einzige Vermerk. Mein einziger Anhaltspunkt ist Schmöckwitz.

Ok. Wenn es im Archiv auftaucht, dann bin ich nicht völlig verrückt geworden. Leider auch der einzige Vermerk. Mein einziger Anhaltspunkt ist Schmöckwitz.

Träume

3 Uhr morgens. Bin schweissgebadet aufgewacht. Cornelius war da. Und eine alte, zottelige Frau in einem langen Gewandt. Reka (warum kenne ich ihren Namen???). Ich soll die Zeichen deuten, die Zeit drängt. Dann sehe ich das Zeichen und verstehe. Seine Aufzeichnungen! Das kam mir so bekannt vor! Wozu habe ich eigentlich studiert? Ogham!

Komische Träume.

Sehe dieses verfluchte Ding vor meiner Nasenspitze. Ich versuche, den Blick abzuwenden aber es geht nicht. Die Geschichte mit der Datierung lässt mich nicht mehr los. Wenn die Maschine das nicht kann, dann muss ich eben ins Archiv gehen. Für was bin ich eigentlich Archäologin geworden? Lasse mir einen Scan der Flöte ( so nenne ich das Ding jetzt) als Ausdruck vergrössern und hänge ihn mir ans Fenster. Was im Traum geht, kann ich hellwach allemal.

Mystik

Habe eine Röntgenfluoreszenzanalyse durchgedrückt. Das Ergebnis lief auf das selbe hinaus. Der Laborant ist wenigstens nett und fragt mich, mit welcher Methode ich meinem Alienartefakt noch zuleibe rücken möchte… Pah. 

Hier kommt mein Bild als aufgeklärte Wissenschaftlerin ins Wanken. Ganz ehrlich: es gibt niemanden hier, mit dem ich darüber sprechen könnte. Was wäre wenn dieser Fund wirklich über 6000 Jahre alt wäre? Ich würde mich als Wissenschaftlerin unglaubwürdig machen. Deshalb betreibe ich meine Überlegungen hier bis auf weiteres als Hobby. Wo auch immer mich das hinführen mag.

perplex

Entweder hat uns der vergessliche Sondengänger hinters Licht geführt oder der Massenspektrometer des Instituts ist defekt. Verarbeitung und Stil lassen nach langer Recherche etwa auf ein Herstellungsdatum von 2.000 v. Chr. schliessen.

Die Radiokarbonmethode spuckt Ergebnisse aus, welche die Spange zwischen 60.000 v. Chr. und dem Jahr 1920 n. Chr. datieren. Absurder Quatsch und ich breche einen Streit vom Zaun, als ich den Laborleiter frage, ob sie eventuell die Proben verunreinigt haben.

Muss nachdenken.

Was für ein Tag!  Der Sondengänger hat sich nicht nur als ehrliche, sondern vergessliche Haut herausgestellt. Er hat uns in den Wald bei Schmöckwitz geführt aber die Fundstelle nicht richtig dokumentiert. Keine Markierung, keine GPS-Koordinaten. Nichts. 8 Stunden sind wir mit ihm und seinem Dackel im Kreis gelaufen. Nichts. Wir geben entnervt auf und suchen im Gehölz den Weg zurück zum Waldweg, da stosse ich mir den Kopf an einen seltsamen Ast-Gebinde und ich rutsche mit dem Stiefel in eine Mulde. Ich bemerke den festen Gegenstand, der Mann erkennt die Stelle und wir fangen vorsichtig an, die Stelle freizulegen. Nach kurzer Zeit sehen wir das Metall. Auch mein Kollege ist ganz ausser sich und wir bedanken uns überschwenglich bei dem ehrlichen Sondengänger. Zur Sicherheit nehmen wir beide nochmal die Koordinaten auf.

(Mit den üblichen Schwankungen, aber die Stelle finden wir wieder: N 52° 23.375’ E013°37.744’ oder 52.389444 13.628889). Ich bin mir sicher, dass wir an dem Ort noch mehr finden werden. Erstaunlich, dass im besiedelten Gebiet noch niemand vorher auf etwas gestossen ist.

Es handelt sich mit grosser Wahrscheinlichkeit um ein Artefakt keltischen Ursprungs. Ich habe das Objekt im Institut schon sorgfältig reinigen können und bin sehr gespannt, wie die Datierung ausfällt. Wirklich zuordnen können wir es weder stilistisch noch funktionell.

Vielleicht wird das hier doch noch ein richtiges Archäologenblog! Das wird heute gefeiert.

Glücksritter

Der Regen treibt mich in den Wahnsinn!

Kommen nicht voran und der Bauer lässt nicht mit sich reden. Wir brechen unsere Zelte ab und sind total enttäuscht. Ich werde mit einem Kollegen ins Umland von Berlin geschickt.

Ein ehrlicher Sondengänger hat einen Fund beim Institut gemeldet.  Wir nennen diese meist älteren Herrn Sondier. Nicht wegen der Sonde, sondern weil sie in der Regel wirklich sonderbar sind. Das kann ja heiter werden.

Knietief in die Eisenzeit

Keine Zeit, noch tiefer in meiner Familiengeschichte zu graben.

Die Kelten rufen! Ich packe meine Glücksschaufel ein und das Team fährt nach Sachsen.

Das Budget ist mickrig aber 4 Wochen haben wir Zeit, bevor der Bauer wieder seinen Pflug anwerfen wird. Da draussen wartet eine Himmelsscheibe auf mich!